Prüfungsreform 2028 – was ist der aktuelle Stand?

Die Steuerberaterprüfung steht vor der größten strukturellen Veränderung seit Jahrzehnten. Ab Oktober 2028 soll das bisherige Blockprüfungssystem durch ein modulares System ersetzt werden. Was das konkret bedeutet – und warum es für viele ein starker Grund ist, noch 2027 die Prüfung zu schreiben.

Das alte System (bis einschließlich 2027)

Die bisherige Prüfung funktioniert nach einer Ausgleichslogik:

  • 3 schriftliche Klausuren à 6 Stunden an drei aufeinanderfolgenden Tagen
  • Zur mündlichen Prüfung wird zugelassen, wer im Gesamtdurchschnitt aller drei Klausuren mindestens 4,5 erreicht
  • Schwache Ergebnisse in einer Klausur können durch bessere in anderen ausgeglichen werden
  • Wer dreimal nicht besteht, ist endgültig ausgeschlossen

Was sich ab 2028 ändert

Die bisherige Ausgleichslogik wird durch eine Modullogik ersetzt:

  • Jede Klausur muss einzeln mindestens die Note 4,5 erreichen
  • Kein Ausgleich mehr zwischen den Fächern
  • Bestandene Module bleiben erhalten (zeitlich begrenzt, maximale Mitnahmedauer noch unklar)
  • Kein endgültiges Nichtbestehen mehr: Unbegrenzte Versuche möglich
  • Nur noch 5 ECTS WiWi + 5 ECTS erforderlich

Das entscheidende Rechenbeispiel

Die Umstellung von Ausgleichs- auf Einzelmodul-Logik hat eine Konsequenz, die bisher kaum diskutiert wird: Als Beispiel nehmen wir an, dass die Noten der schriftlichen Prüfung wie folgt sind: 4,0 / 4,5 / 5,0

# System Folge
1 Altes System (bis 2027) Schnitt = 4,5, bestanden → Zulassung zur mündlichen Prüfung.
2 Neues System (ab 2028) Klausur Tag 3 (Note 5,0), nicht bestanden → keine Zulassung.

Das bedeutet konkret: ~20 % der Oktober-2025-Bestehenden wären 2028 durchgefallen.

Wenn man die neue Modullogik auf die tatsächlichen Prüfungsergebnisse des Examens Oktober 2025 anwendet, hätten ca. 20 % der damaligen Bestehenden die Prüfung unter den neuen Regeln nicht bestanden und müssten zusätzliche Wiederholungsprüfungen ablegen.

Das ist kein Randphänomen – das ist ein struktureller Unterschied mit realen Konsequenzen. Wer in einem Fach strukturell schwächer ist, hat unter dem neuen System deutlich weniger Spielraum.

Was das für dich bedeutet

Wenn du die Prüfung noch 2027 schreibst:

  • Du profitierst noch vom alten Ausgleichssystem
  • Eine schwächere Einzelklausur kann durch stärkere ausgeglichen werden
  • Kein Risiko durch die neuen Einzelmodul-Regeln

Wenn du auf 2028 oder später wartest:

  • Jede einzelne Klausur muss eigenständig mit mindestens 4,5 bestanden werden
  • Kein Ausgleich mehr möglich
  • Wer in einem Fach strukturell schwächer ist, braucht gezielteres Training

Fazit: Wer die Möglichkeit hat, noch 2027 zu schreiben, hat unter dem alten System mehr Spielraum. Gleichzeitig gilt: Das neue System ist für viele auch fairer – wer scheitert, wiederholt nur die schwache Klausur, nicht alles von vorn.

Der Reform-Fahrplan

# Datum Inhalt
1 November 2024 BMF legt erste Eckpunkte vor. Modularisierung und Digitalisierung als Kernelemente benannt.
2 Januar 2026 Bundessteuerberaterkammer konkretisiert Zeitplan und Modularisierungsmodell in einer Informationsveranstaltung.
3 März 2026 Neuer Diskussionsentwurf liegt vor. Kammern, Verbände und Interessenvertretungen können bis Mitte April Stellung nehmen.
4 Ziel: Oktober 2028 Inkrafttreten der neuen Prüfungsordnung. Einige Detailpunkte noch offen (genaue Gültigkeitsdauer bestandener Module). Das Kernkonzept der Modularisierung gilt als gesetzt.

Unser modulares Konzept

Unser gesamtes Kurskonzept ist modular aufgebaut. Du kannst Lehrbriefe, Teilzeitlehrgang, Fernkurs und Klausurenwochen frei kombinieren. Bei uns findest du für jeden Wissensstand den richtigen Einstieg.

Aber noch wichtiger: Wer 2027 die Prüfung schreibt, profitiert noch vom alten Ausgleichssystem. Fang jetzt an.